Info 3 zum DSBL Event in Lindau

Liebe Mitglieder,

World Sailing, der Weltsegelverband, hat den Deutsche Segelbundesliga Event in Lindau als Ausbildungsseminar für Internationale Umpire im Fleet Race ausgesucht.

Damit genießt der Organistor DSBL wie auch der ausrichtende Verein LSC eine hohe Wertschätzung.

Umpire sind Schiedsrichter, die auf dem Wasser tätig sind und bei vermuteten Regelverstößen und Protesten eines oder mehrere Boote sofort entscheiden, ob ein solcher Regelverstoß vorlag und von wem.

Der Ablauf eines solchen Protestes ist im Addendum Q des Regelwerks von World Sailing genau festgelegt. Dieses Addendum Q wurde ursprünglich einmal eingeführt, um bei Olympischen Spielen oder hochrangigen Meisterschaften den Sieger nach Möglichkeit in der letzten Wettfahrt bereits feststellen zu können, ohne eine eventuelle Anhörung über einen eingereichten Protest abwarten zu müssen.

Diese Behandlung von Regelverstößen hat man dann auf das Format der Segelbundesliga übertragen. Damit sind Entscheidungen am sogenannten „grünen Tisch“ nicht mehr notwendig und die Wertung der Boote nach ihrem Zieldurchgang bleibt so bestehen. Damit weiß auch jeder Teilnehmer sofort, welche Plazierung er erreicht hat.

Das Verfahren läuft dann so ab:

Vermutet ein Teilnehmer, dass ein anderes Boot gegenüber ihm eine Regel verletzt hat (z.B. ihm die Vorfahrt genommen hat), protestiert er gegen dieses Boot, indem er bei der erstmöglichen Gelegenheit das Wort Protest ruft und eine rote Flagge zeigt.

Akzeptiert das angerufene Boot, dass es eine Regel verletzt hat, muss es sich sofort von allen anderen Booten freisegeln und eine Strafe annehmen. Diese ist auf einem Weg zur Luvbahnmarke eine Halse und wenn es sich auf dem Weg zur Leebahnmerke befindet, eine Wende. Sollte das angerufene Boot jedoch keine Anzeichen zeigen, eine Strafe anzunehmen, müssen die Umpire unverzüglich eine Entscheidung treffen.

Gelangen sie zu der Auffassung, dass kein Boot eine Regel verletzt hat, zeigen sie eine grün-weiße Flagge zusammen mit einem langen Pfiff aus einer Pfeife. Sind sie jedoch überzeugt, dass ein oder mehrere Boote bei diesem Vorfall eine Regel verletzt haben, zeigen sie mit einer roten Flagge auf dieses oder diese Boote, ebenfalls mit einem langen Pfiff. Die Strafe für das oder die angezeigten Boote, beträgt dann eine ganze Drehung mit einer Wende und Halse, was natürlich mehr Zeit kostet und damit härter bestraft wird, als wenn ein Boot freiwillig eine Strafe annimmt.

Dann gibt es noch eine besonders harte Strafe, die schwarze Flagge, black flag genannt. Diese wird gezeigt, wenn sich ein Boot, das eine Strafe annehmen muss, dies nicht macht. Dann muss es unverzüglich das Wettfahrtgebiet verlassen und ist für diese Wettfahrt disqualifiziert.

Es ist sicher nachvollziehbar, auch für den Laien, dass es eine besondere Ausbildung und umfangreiche Übung für die Umpire bedarf, um bei allen vorkommenden Situationen auf dem Wasser die richtige Entscheidung zu treffen.

Damit ein Höchstmaß an Fairness erzielt wird, sind für die Wettfahrten der Segelbundessliga mit jeweils 6 Booten, immer 2 Schlauchboote mit je 2 Umpire auf dem Wasser, die natürlich so nah wie möglich, aber ohne die Segler zu behindern, das Geschehen verfolgen.

Die Umpire müssen multitaskingfähig sein. Sie sprechen vor sich hin, was die Boote die sie gerade beobachten machen und vor allem in den nächsten Sekunden voraussichtlich machen werden, um sofort beurteilen zu können, ob dann ein Regelverstoß eintreten würde. Nur dann ist es möglich, sofort richtig entscheiden zu können.

Um richtige Entscheidungen treffen zu können, ist die Positionierung des Schlauchbootes von extrem wichtiger Bedeutung. Daher muss ein Umpire das Schlauchboot richtig positionieren, während der andere sich um die richtigen Flaggen kümmern muss.

Jetzt haben sie einen groben Überblick, was die Umpire auf dem Wasser zu tun haben und verstehen sicher auch, dass dies exakte Regelkenntnisse, die man im Kopf haben muss, und eine sichere Beherrschung eines Schlauchbootes in jeder Situation erfordert.

Der Status eines Internationalen Umpire ist notwendig bei hochrangigen Events. Um diesen Status zu erlangen, müssen die Kandidaten nachweisen, in einer ganzen Reihe solcher Regatten als Umpire tätig gewesen zu sein und ein Seminar mit einer theoretischen und praktischen Prüfung erfolgreich abgeschlossen zu haben.

Solche Seminare werden nicht so häufig von World Sailing angeboten, nur ein bis zwei pro Jahr in Europa. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass sich World Sailing für ein solches Seminar im Rahmen des Segelbundesliga Events bei uns im LSC entschieden hat.

Jetzt hoffen wir, dass sich auch genügend Teilnehmer, die den Status eines Internationalen Umpires erhalten möchten, für dieses Seminar anmelden.

Hermann Kling, 31.03.2017, Kommunikation Deutsche Segelbundesliga Event in Lindau