FERNGESTEUERTE MODELL SEGELBOOTE – SPORTGERÄT ODER SPIELZEUG?

Eine ganz neue Erfahrung als Schiedsrichter / Umpire konnte Mufti Kling am vergangenen Wochenende in St. Moritz gewinnen. Er war auf Einladung des Präsidenten des Modell Yacht Club Schweiz / radiosailing.ch – ein angeschlossener Club von Swiss Sailing – als Umpire bei der Marblehead SwissOpen 2020 Regatta.

Die Marblehead-Klasse ist eine weit verbreitete IRSA Klasse. Mit einer Länge von ca. 1,27 m, einer Masthöhe von etwas mehr als 2 m und einem Tiefgang von ca. 660 mm sehen diese Modellboote wie richtige Segelboote aus. Sie sind sehr leistungsfähig, da mit High-Tech Material experimentiert werden kann. Der Rumpf und auch das Rigg sind aus Carbon. Es gibt für die unterschiedlichen Windstärken bis zu 5 verschiedene vermessene Riggs. Die Segler müssen das Rigg mit der am besten für die jeweilige Windstärke passende Segelfläche kurz vor einem Start an Land einsetzen. Der Kurs wird mit Bojen ausgelegt und unterscheidet sich zu den Regatten mit den großen Segelbooten nur durch die Länge der Bahnschenkel. Die Gesamtlänge des Kurses beträgt etwa 1200 m und eine Wettfahrt dauert ca. 15 Minuten. Die Boote werden mittels 2 Kanal Fernsteuerung im 2,4 Ghz Bereich bewegt. Ein Kanal dient zur Steuerung des Ruders und der andere zur Einstellung des Vor-und Großsegels. Es erfordert einige Übung dies so zu koordinieren, daß es in einem Feld von 20 Booten nicht zu erheblichen Berührungen kommt.

Es gelten im Wesentlichen die Segelregeln von World Sailing mit einem extra für das RC Segeln (so wird das Modellbootsegeln genannt) geschaffenen Anhang E, der auf Besonderheiten eingeht. Man braucht eine gute Sehkraft, um auf die Distanzen die Boote mit ihren Segelnummern noch unterscheiden zu können. Das gilt für die Skipper wie auch für die Umpire. Für diese sind keine weiteren Hilfsmittel erlaubt. Sie müssen die gleichen Voraussetzungen für Entscheidungen von Regelverletzungen haben wie die Skipper selbst. Eine schwierige Aufgabe, vor allem für einen Neuling in diesem Sport.

Und da sind wir auch schon bei der Eingangsfrage. Sportgerät oder Spielzeug? “Nach diesem Wochenende kann ich nur ein Sportgerät darin erkennen. Es erfordert Geschick, Regelkenntnisse, Konzentration und Ausdauer.”, so Mufti Kling.

Es wurden an diesen 2,5 Tagen 28 Wettfahrten gesegelt. RC Segeln (Radio Controlled Sailing) würde sich im Rahmen der Ausbildung sehr gut eignen. In der segelfreien Winterzeit könnten damit einiges an Regelkunde und Taktik vermittelt und geübt werden.

Mufti Klings Fazit nach diesen drei Tagen: “Es ist eine ernsthafte Form des Segelsports, anspruchsvoll und dennoch mit sehr viel Spaß. Die Skipper gehen sehr freundschaftlich miteinander um und es gibt für die Umpire wenig Arbeit, da äußerst fair gesegelt wird. Regelverletzungen wie z.B. Berührungen anderer Boote oder der Bojen wurden sofort und meist, ohne daß erst Protest gerufen werden muß, freiwillig mit einer Strafdrehung entlastet, wie es die Grundregel vorsieht. Ich würde mir dies bei den großen Booten auch so wünschen.”

 

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